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Holz und Klima

Bäume wachsen langsam und verbrennen schnell. Der klimafreundliche Effekt des nachwachsenden Rohstoffs Holz ist nur eine Wette auf die Zukunft.

Waldbegehung Liegenschaft der geplanten Grillkohle-Fabrik bei Huppert

Holzverbrennung ist nicht klimaneutral – das stellt ein Team von WissenschaftlerInnen um Prof. Dr. Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde auf Grundlage von weltweiten Forschungsarbeiten klar.

Das aktuelle Positionspapier der Forschergruppe wurde anläßlich des ZDF Frontal21-Beitrags am 31.3.2020 veröffentlicht.

Es ist doch eigentlich ganz einfach zu verstehen: Wenn ein Baum 100 Jahre wachsen muss und in der Zeit CO2 fixiert (…) und wir diesen Baum dann zu Kaminscheiten machen und diese Kaminscheite in ein paar Minuten verbrennen ist der Kohlenstoff innerhalb dieser kurzen Zeit freigesetzt. Dann braucht es im besten Fall wieder 100 Jahre, damit ein ähnlicher Baum an gleicher Stelle steht.
Prof. Dr. Pierre Ibisch

Wie ist die Kohlenstoffbilanz bei der Holzverbrennung?

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen trägt schon seit 1972 die jeweils aktuellsten Forschungen zusammen. Sieben ProfessorInnen haben gemeinsam mit Dutzenden Wissenschaftlern aus Hochschulen, Behörden und Verbänden ihr Umweltgutachten 2020 verfasst.

Und was sagen die Sachverständigen zur Holzverbrennung? Wir zitieren aus dem Umweltgutachten 2020.

Die energetische Nutzung von Holzbiomasse (…) basiert häufig auf der An­nahme, dass diese (…) emissions­neutral sei, weil die Verbrennung nur so viel CO2 emit­tiert, wie die Pflanze im Wachstum bereits aufgenommen hat oder künftig beim Nachwachsen aufnehmen wird.

Deshalb sei Holzverbrennung klimaneutral – das hat Bürgermeister Diefenbach auch mehrfach betont.

Diese intuitiv einleuchtenden Überlegungen halten einer genaueren wissenschaftlichen Analyse jedoch oft nur eingeschränkt stand. (…) Es ist grundsätzlich festzustellen, dass Holz im Vergleich zu Kohle, Gas und Öl der deutlich ineffizien­tere Energieträger ist. (…) Bei Verfeuerung von Biomasse entweicht am Schornstein daher zunächst mehr CO2 in die Atmosphäre als dies bei einer vergleichbaren fossil betriebenen Anlage der Fall wäre.

Wie bitte? Aus Holz entweicht bei der Verbrennung MEHR klimaschädliches Kohlendioxid? Ja, so ist es. Und zwar eine ganze Menge.

Bei der Verstromung in einem Biomassekraftwerk entweicht typischerweise pro erzeugter Energieeinheit 50 % mehr CO2 als bei Kohle

Der klimafreundliche Effekt des nachwachsenden Rohstoffs Holz ist in Wirklichkeit nur eine Wette auf die Zukunft. Und da läuft uns die Zeit davon!

Wie kann ein Holzkraftwerk dann klimaneutral oder klimaschonend sein?

Der postulierte klima­schonende Effekt bezieht sich somit vollständig auf die Kohlenstoff­-Gesamtbilanzierung und auf die Erwartung, dass die emittierte Menge an CO2 vorher oder nachher der Atmosphäre entnommen wird.

Das heißt, Holzverbrennung ist erst dann klimaneutral, wenn die gleiche Menge Holz nachgewachsen ist. Werden für das Grillkohlewerk die benötigten 20-30 jährige Bäume verbrannt, dauert es 20-30 Jahre.

Diese Frist beginnt mit der Fällung. Werden aktuell 20jährige Bäume zum Beispiel in 10 Jahren (2030) gefällt, also im Alter von 30 Jahren, können sie erst 2060 “klimaneutral” nachgewachsen sein!

Treibhausgas­einsparungen werden erst nach einigen Jahrzehnten bis Jahrhunderten erbracht

Im gegenwärtigen Klimawandel müssen wir jedoch hier und heute CO2 vermeiden, um die gravierenden Folgen wenigstens zu begrenzen. Deshalb ist Holzverbrennung mit ihrem hohen CO2-Ausstoss der falsche Weg.

Wieviel Holz soll denn überhaupt verwendet werden?

Carbonex will jährlich 180.000 Festmeter Laubholz verbrennen. Als Rundholz aufgestapelt entspricht das etwa 252.000 Raummetern. Würde man diese Menge etwa 1 m hoch und 1 Meter breit hintereinander aufstapeln wäre die Strecke 252 Kilometer lang. Eine solcher Holzstapel würde von Huppert bis hinter Stuttgart reichen!

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