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Grillkohle

Immer mehr Menschen vermeiden Grillkohle aus Tropenholz.

Ist FSC-zertifizierte Holzkohle aus Deutschland wirklich eine gute Lösung oder gibt es bessere?

Grillkohle

Grillen gehört zum unbeschwerten Sommervergnügen. In Deutschland werden dafür ca. 250.000 Tonnen Holzkohle pro Jahr gekauft – der höchste Wert in Europa. Über 80% werden aus dubiosen Quellen importiert. Aus Nigeria und Paraguay sind Korruption und illegaler Holzeinschlag bekannt, auch in Osteuropa wird unerlaubt gefällt. Angaben zur Herkunft von Holzkohle sind jedoch nur freiwillig und werden nicht kontrolliert.

Holzkohle “aus legaler, sozial und ökologisch verantwortungsvoller Waldwirtschaft” sei am FSC-Siegel zu erkennen. Das meint jedenfalls die Zertifizierungstelle in Deutschland:

Der FSC setzt sich für eine ökologische Waldwirtschaft ein, bei der auch soziale Aspekte wie Arbeitsschutz oder die Rechte indigener Gemeinschaften eine zentrale Rolle spielen.

Ganz so einfach ist es leider nicht, das FSC-Siegel steht schon seit Jahren in der Kritik.

2018 hat der World Wide Fund For Nature (WWF) 13 Grillkohle-Säcke mit FSC-Zertifikat überprüft. Sechs davon – also fast die Hälfte – führten zu berechtigten Zweifeln an den Angaben. Der WWF vermisst klare Regelungen und fordert strengere Kontrollen.

1. Grillkohle aus Tropenholz

“Die in Deutschland verkaufte Holzkohle wird überwiegend importiert und stammt zu über 70 % aus Polen, der Ukraine, Nigeria und Paraguay. Bei der Holzkohle aus Polen handelt es sich selbst wiederum um Importware – und sie stammt zu einem nennenswerten Anteil auch wieder aus der Ukraine und Nigeria (84 %).” Das schreibt der Umweltschutzvereinigung WWF in ihrem Bericht Das schmutzige Geschäft mit der Grillkohle. Wer verantwortlich handeln will, kauft keine Grillkohle aus Tropenholz.

Rettet europäische Holzkohle den tropischen Wald? Nein, denn die Menschen in Südamerika sind arm. Sie verkohlen den Wald, weil es dafür Geld gibt. Und sie werden erst damit aufhören (können), wenn sie für den Erhalt und die Wiederherstellung der Wälder bezahlt werden.

Ein einziges Wort an der richtigen Stelle, ist die Lösung: Holzkohle in der Listen der Holzprodukte zu ergänzen, deren Herkunft gesetzlich kontrolliert wird. Nur damit wäre der Export nach Europa wirksam zu begrenzen.

Grillkohle aus Europa ist zwar “weniger katastrophal”, aber immer noch weit entfernt von gut! Für den rauchigen Grillspass junge Bäume zu verkohlen und mehr Treibholzgas in die Luft zu blasen als mit Briketts ist nirgendwo sinnvoll und sollte nicht durch neue Kohle-Fabriken gefördert werden.

2. Grillkohle aus Deutschland

Bisher werden jedes Jahr ca. 40.000 Tonnen Holzkohle in Deutschland hergestellt. Ein Teil davon ist Naturland-zertifiziert. Naturland zertifiziert (wie Bioland, Demeter u.a.) überwiegend Lebensmittel aus biologischer Erzeugung. Das Verständnis von naturnaher Waldbewirtschaftung geht bei Naturland über die Mindeststandards des FSC-Siegels hinaus.

Das Naturland-Holz stammt aus dem Saarland und wird in Frankreich zu Holzkohle verarbeitet. Durch den höheren ökologischen Standard werden weniger Bäume entnommen und entsprechend weniger Holzkohle produziert. Die gigantischen Mengen Holzkohle die Deutschland bisher vergrillt, werden so nicht zu erreichen sein.

Wir brauchen Wälder, damit sie mehr CO2 speichern und Wasser halten können. Wir brauchen vor allem artenreiche Wälder aus jungen und alten Bäumen. Das gilt für Deutschland und genauso den Rest der Welt, damit wir Menschen noch eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten haben.

Fazit: Am besten den Verbrauch von Holzkohle einschränken und auf holzfreien Alternativen grillen. Hier ein paar Vorschläge.

3. Grillkohle aus Kokosnuss

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend möchte die nachhaltige Entwicklung auf den Philippinen unterstützen. Ihre faire Kohle wird aus Kokosnussschalen produziert. Dieses Produkt aus Abfälle der Kokosnuss-Plantage habe dort bereits einige faire Jobs geschaffen.

Als wirtschaftliche Entwicklungshilfe mit dem Schwerpunkt “Fairness” eine gute Idee. An der ökologischen Nachhaltigkeit darf jedoch gezweifelt werden, wenn die Grillkohle bis nach Europa verschifft wird.

Vorteile gegenüber Holzkohle:

  • hohe, sehr konstante Brenntemperatur
  • hält Hitze länger als handelsübliche Briketts
  • ist dadurch sehr ergiebig
  • verbrennt schadstoff- und geruchsarm
  • hat bei korrektem Entzünden nur eine geringe Rauchentwicklung
  • hinterlässt weniger Asche im Grill zurück

Nachteile gegenüber Holzkohle:

4. Grillkohle aus Oliventrester

Zuerst wird aus den Oliven Öl gepressst. Übrig bleibt Oliventrester (Kerne, Schalen und Fruchtfleischreste). Diese werden als Brennstoff zur Kalkproduktion verwendet. Und erst danach wird aus den Reststoffen so genannte „grüne Briketts“ gefertigt. Sie bestehen aus 85% Oliventrester sowie 15% Wasser und Stärke.

Der in der Produktion verbrauchte Wasser wird vollständig recycelt. Der Vertrieb für Deutschland sitzt in Hessen.

Vorteile gegenüber Holzkohle:

  • geschmacksneutral und geruchsarm
  • kein Funkenflug
  • sauberer (kein Kohlestaub)
  • Restasche kompostierbar
  • längere Brenndauer

Nachteile gegenüber Holzkohle:

  • etwas höherer Preis

5. Grillkohle aus Maisspindeln

Werden Maispflanzen geerntet, bleiben Maisspindeln als Abfallprodukte übrig. Die Maisspindeln werden gesammelt und anschließend luftgetrocknet. Dann können sie direkt, ohne weiter behandelt zu werden, zum Grillen verwendet werden.

Zu einem engen Haufen zusammengelegt und mit Grillanzünder aus Naturmaterialien (entweder käuflich erworben oder selbst gemacht) eignen sich die Maisspindeln genau wie herkömmliche Holzkohle zum Grillen.

Vorteile gegenüber Holzkohle:

  • sie ist schneller einsatzbereit (ca.15 Minuten)
  • sie wird heißer (600 – 800 °C), dadurch schnelleres Verschließen der Fleischporen und saftigeres Fleisch
  • abtropfendes Fett erzeugt keine Flammen, dadurch weniger krebserregende Stoffe am Fleisch
  • sauberer (kein Kohlestaub)
  • kein Geschmacksunterschied des Grillgutes zu herkömmlicher Holzkohle

Nachteile gegenüber Holzkohle:

  • etwas höherer Preis
  • Glut hält nicht ganz so lange (ca. 20-25 Minuten, was allerdings für einen Grilldurchgang ausreichend ist)

Quellen:

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