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Offener Brief an den Heidenroder Bürgermeister Volker Diefenbach

Veröffentlicht am 28.04.2020

Bürgermeister Volker Diefenbach hatte die Bürgerinitiative zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, um Informationen auszutauschen.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist ein Treffen mit mehreren Personen aktuell nicht möglich. Daher haben wir unsere Fragen gebündelt und in Form eines Offenen Briefes formuliert, der dem Bürgermeister am 28.04.2020 per E-Mail zugegangen ist.

Seine Antworten haben wir in roter Schrift-Farbe unterhalb der Fragen veröffentlicht. Unsere Kommentare dazu folgen in grüner Schrift-Farbe.

1. Industriegelände im Wald

Für das Betriebsgelände sollen bis zu 20 ha Wald gerodet werden. Da bereits ein Artenschutz-Gutachten beauftragt ist (1), muss die Fläche im Hupperter Wald genauer bekannt sein. Bitte zeigen Sie anhand des Liegenschaftsplans, um welche Bereiche es sich handelt.

Es handelt sich um ein Teilareal des Grundstückes in der Gemarkung Huppert, Flur 4, Flurstück 45. Es werden nur Teile davon benötigt, da es eine Größe von 23,2 Hektar hat, aber nur 17 – 20 Hektar benötigt werden.

Die älteren Waldbestände im Süden und Westen werden auf jeden Fall ausgespart. Das Areal ist auf beigefügtem Plan ersichtlich.

Wir haben dem Waldstück der geplanten Grillkohle-Fabrik Carbonex einen Besuch abgestattet. Besuchen auch Sie das Waldstück und überzeugen sich selbst! Solange die Bäume noch stehen

2. Aufforstung schwierig

Zum Ausgleich soll an anderer Stelle aufgeforstet werden. Aber gerade Jungbäume machen schnell schlapp: „Kleine Pflanzen haben große Probleme, ihnen geht das Wasser aus, sie können in ihren Wurzeln nicht viel speichern (…) bei Jungpflanzungen gibt es Ausfallquoten zwischen 30 und 40 Prozent” so der Leiter des Forstbetriebs Bad Königshofen (2). Zudem müssen Aufforstungen wie z.B. in Egenroth wegen des hohen Wildbestandes teuer eingezäunt werden. Bitte erklären Sie, wo und wie der reale ökologische Verlust ausgeglichen werden soll.

Antwort Bürgermeister Diefenbach: Die Gemeinde Heidenrod ist routiniert bei Aufforstungen! In den letzten fünf Jahren wurden im Gemeindegebiet ca. 18,0 Hektar erstaufgeforstet, denen 8,4 Hektar Rodung (Windpark) gegenüberstehen. Alle Aufforstungen befinden sich im guten Wachstum, selbst die vor dem Trockensommer 2019 aufgeforstete Großfläche „Driescher“ zeigt einen guten Anwuchs, insofern, können Ihre o.g. Ausfallquoten hier in der Praxis nicht bestätigt werden.

Eine Gatterung ist wegen der hohen Wildstände für einige Jahre unumgänglich, da es sich allerdings um Ausgleichsflächen handelt, sind die Kosten vom Vorhabenträger zu zahlen. Der ökologische Verlust ist auszugleichen! Dadurch, dass es sich bei der ins Auge gefassten Fläche um eine relativ junge (25 Jahre) Wiederaufforstung nach Sturmwurf handelt, die von der Baumart Fichte dominiert ist, ist noch kein höherwertiger ökologischer Zustand eingetreten. Mit einer Ersatzaufforstung, wofür Flächen zur Verfügung stehen, mit gemischten, standortsheimischen und -gerechten Laubholz-Mischbeständen wird ad hoc ein Ausgleich hergestellt, mit Etablierung der neuen Waldbestände aus diesen Ersatzaufforstungen sogar ein höherer ökologischer Wert erreicht.

Die Wahl eines Waldstandortes kommt neben diesem Aspekt auch aus Gründen des Schutzes landwirtschaftlicher Flächen in Betracht.

Würde das Projekt in der Feldgemarkung installiert, würde die Landwirtschaft einen Block von 17 – 20 Hektar verlieren und zusätzlich die Flächen für den Ausgleich (Streuobst, zu vernässende Wiesen, Feldgehölze, …) in Summe wahrscheinlich 35 Hektar.

Bei dem avisierten Standort sind es nur die Ausgleichsflächen, somit 50 % und diese können möglicherweise, in Absprache mit der Landwirtschaft, auch noch gestreut, auf Flächen die für diese weniger interessant sind, gelegt werden.

3. Natur für Luxus

Supermärkte und Entsorgungsunternehmen sind für unser derzeitiges Leben erforderlich. Grillkohle hingegen ist ein Luxusprodukt, ob aus exotischem oder deutschem Holz. In Huppert sollen dafür jedes Jahr 150.000 Festmeter Laubholz verschwelt werden (3). Halten Sie es für sinnvoll und nachhaltig, unseren Wald auf Jahrzehnte für ein Lifestyle-Produkt zu verkaufen?

Ob Grillkohle ein Luxusprodukt ist, sei dahingestellt. Eher handelt es sich um ein Allerweltsprodukt, dass von einer breiten Bevölkerung sehr regelmäßig und umfangreich benutzt wird.

Auch wenn man sich wünscht, dass der Primärverbrauch an Holz in diesen Bereichen zurückgeht, wird es bei dem derzeitigen Verbrauch in Deutschland von 300.000 to Grillkohle noch Jahrzehnte dauern bis dieses Ziel, wenn man es denn ernsthaft verfolgen wollte, erreicht ist.

Es wird dafür kein Wald verkauft. Ganz im Gegenteil wird für Holz eine weitere sinnvolle Verwendungs- und Vermarktungsoption geschaffen. Besonders vorteilhaft ist in diesem Fall die Kombination mit Energieerzeugung, insbesondere, wenn man bedenkt, dass in Deutschland 20 – 40 % des Rohholzes direkt verbrannt wird (siehe Thünen Institut, Stat. Landesamt Rheinland Pflalz).

Deutschland ist der größte Verbraucher von Holzkohle in Europa und aktuell wird mehr als 90% der verbrauchten Holzkohle importiert. Diese Produkte werden in Ländern mit weniger strengen Umweltvorschriften und weit weniger Kontrollen als Deutschland hergestellt. Die Firma Carbonex hat sich verpflichtet, ihr Holz nur aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern zu beziehen und dabei weniger zu verbrauchen als das jeweilige Wachstum der Wälder. Die Waldbewirtschaftung in Deutschland gehört zu den besten der Welt. Die Region Heidenrod ist in diesem Bereich besonders gut aufgestellt, weshalb das Projekt positiv zu dieser nachhaltigen Nutzung des Waldes beitragen kann.

Es wird kein Wald verkauft, sondern mit dem Projekt eröffnen sich, durch gesicherten Holzabsatz in den passenden Sortimenten, Möglichkeiten einer frühzeitigen und zielgerichteten Pflege von jungen Waldbeständen, um einen klimastabilen, gemischten und ökologisch hochwertigen Wald heranzupflegen, eine Aufgabe von Jahrzehnten.

4. Regeneration braucht Jahrzehnte

Für Grillkohle wird schwaches Laubholz gebraucht, von Ihnen beschrieben als die “dünnen Stämmchen, die bei der Waldpflege anfallen” (1) Aber auch diese brauchen Jahrzehnte, um wieder nachzuwachsen. Sind solche Wirtschaftsforste im Klimawandel noch zeitgemäß? Oder wären Naturwälder nicht deutlich wichtiger, um auch zukünftig Wasser und CO2 zu speichern?

Die Gemeinde Heidenrod wendet seit der Sturmkatastrophe 1990 die naturgemäße Waldwirtschaft an, seit 15 Jahren ist der Gemeindewald FSC zertifiziert.

Der Wald entwickelt sich seitdem immer mehr in Richtung Naturnähe, Standortsangepasstheit, Mischung und Strukturierung.

Eine Vielzahl von Naturschutzprojekten sind umgesetzt, ca. 6 % unseres Gemeindewaldes ist aus der Holzproduktion genommen, derzeit wird an einem weiteren „Urwald von Morgen“ gearbeitet.

Diese Art der Wirtschaft hat uns bei der Dürrekatastrophe 2018/19 sehr geholfen, da wir nur noch einen Anteil von ca. 20 % der Problem-Baumart Fichte hatten und auch diese zu einem großen Teil schon einen nachwachsenden, gemischten Jungbestand unter den Altbäumen zu verzeichnen hatten, sodass wir bei aller Dramatik ökologisch und ökonomisch mit überschaubaren Schäden die Krise durchstehen.

Wichtig ist es jetzt aber, die Aufforstungen nach den Sturmkatastrophen 1984 und 1990, die sehr naturnah angelegt wurden, zu pflegen und zu stabilen, gemischten Beständen zu entwickeln. Wir sind da in einer sehr entscheidenden Phase, um das Fundament für eine jahrzehntelange Entwicklung zu legen, dass zu dem von Ihnen o.g. Ziel führen soll.

Es handelt sich eben nicht um Wirtschaftsforste, sondern naturgemäß bewirtschaftete, naturnahe Wälder, die auf den Weg zu bringen sind, alle gesellschaftlichen Ansprüche zu gewährleisten.

Das bei der Waldpflege ohnehin anfallende schwache Holz findet eine entsprechende Verwendung kann uns durch die dadurch erzielten Erlöse sehr dabei helfen diese auch durchzuführen. Bei fehlenden Erlösen wird häufig die Waldpflege unterlassen da sie nicht finanzierbar ist.

5. Holzverbrennung ist nicht klimaneutral

Prof. Dr. Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde stellt auf Grundlage von weltweiten Forschungsarbeiten klar: “Energetische Nutzung von Holz trägt vor allem kurzfristig zum Treibhausgaseffekt bei. In Deutschland trägt sie zur Verschlechterung des Zustands der Laubwälder bei.” Zudem wird durch Aufarbeitung und Transport zur Verbrennung deutlich mehr CO2 frei, als im Holz selbst eingelagert wurde (4) . Wie steht die “Klimagemeinde Heidenrod” zu diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen?

Diese Erkenntnisse von Prof. Ibisch sind wissenschaftlich eine Minderheitenmeinung und vor allem im Zusammenhang mit seinen Gesamt-Untersuchungen zu sehen.

Andere, wie Prof. Spellmann, Leiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, Herr Geschäftsführer Dr. Schütte, und fast alle wichtigen Forstorganisationen vertreten eine wissenschaftlich fundierte andere Meinung.

Fakt ist, dass bei der Verbrennung von Biomasse (Holz) nicht mehr CO² freigesetzt wird, als diese bei deren Wachstum gebunden hat.

Die Verwendung von Biomasse zu energetischen Zwecken ist weitgehend CO² und damit klimaneutral. Deshalb wird diese auch von der öffentlichen Hand über eine Vielzahl von Programmen und bis hin zum Erneuerbaren Energien Gesetz massiv gefördert.

Im vorliegenden Fall ist dieser Sachverhalt noch vorteilhafter zu sehen, da ein Produkt hergestellt und zusätzlich Energie erzeugt wird, im Gegensatz zur reiner Energiegewinnung, wie zum Beispiel im Biomassekraftwerk Kemel.

Zusätzlich zu beachten ist, dass mit jeder nach diesem Verfahren hergestellten Tonne Holzkohle, die die derzeit unter unhaltbaren umwelttechnischen Verfahren produzierte Holzkohle ersetzt, eine direkte Verminderung des CO²-Ausstoßes gewährleistet wird und damit einen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Des Weiteren wird der Raubbau in den Tropen und Osteuropa entgegengewirkt.
Insofern passt das Projekt sehr gut zur Klimagemeinde Heidenrod und könnte weit über regionale Grenzen zu einem Leuchtturm-Projekt werden.

Schon Galilei hatte eine Minderheitenmeinung und trotzdem recht. Auch die Befürworter des ökologischen Landbaus und der Windkraft wurden lange ausgelacht. Dabei geht es meist weniger um die Wahrheit als um befürchtete – meist wirtschaftliche – Konsequenzen.

Prof. Spellman ist ein Holzlobbyist, der sich für die wirtschaftlichen Interessen der Forstorganisationen einsetzt. Er ist kein Wissenschaftler, der den Wald unter Natur- und Umweltschutzaspekten für die Bevölkerung betrachtet. Auch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe hat die Vermarktung von Holz im Blick – hier wird Nachhaltigkeit anders definiert als von Ökologen.

Ja, bei der Verbrennung von Biomasse (Holz) wird nicht mehr CO2 freigesetzt, als im Wachstum gebunden wurde. Nur haben Sie einen wichtigen Faktor übersehen: Die Zeit, in der das geschieht. Hätten wir die Grenzen des Wachstums noch nicht überschritten, wäre unserer Umwelt intakt und nicht von Klimaerwärmung bedroht – dann wäre das eine Option. Aber so läuft uns die Zeit weg, um wenigstens 2050 die dringend nötige C02-Neutralität zu erreichen.

Bei Holz ist die Klimaneutralität nur im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten zu erreichen. Im gegenwärtigen Klimawandel müssen wir jedoch CO2 vermeiden, um die gravierenden Folgen wenigstens zu begrenzen. Holzverbrennung mit ihrem hohen CO2-Ausstoss ist hier und heute der falsche Weg.

Von den Ergebnissen her gesehen, ist das Grillkohlewerk ein riesiger Holzvergaser, der den größeren Anteil des Holzes verbrennt – nur 40% bleiben als Grillkohle übrig. Und auch dieses Restprodukt ist ja zur Weiterverbrennung bestimmt – bei der die restlichen Kohlenstoffe wenig effektiv genutzt als CO2 in die Luft gehen.

Richtig ist, daß ein modernes Werk die Wärme, die bei der Verbrennung entsteht effektiver nutzt. Das ist im Vergleich mit den traditionellen Formen der Köhlerei besser, rechtfertigt aber nicht die insgesamt klimaschädliche Grillkohle-Produktion.

Glauben Sie ernsthaft, dass die Erhöhung der Grillkohleproduktion in Europa dazu führt, dass in den Tropen weniger abgeholzt wird? So simpel funktioniert globaler Handel leider nicht. In Afrika gibt es auch nicht weniger Hunger, weil in Europa mehr Nahrungsmittel produziert werden. Nein, die Menschen in Südamerika holzen ab, weil es Geld dafür gibt. Sie sind darauf angewiesen und werden erst aufhören, wenn sie stattdessen z.B. für Anpflanzungen und Waldpflege bezahlt werden.

Dafür steht Carbonex aber nicht, im Gegenteil. Der Holzkohle-Produzent hat vor zwei Jahren 65 Millionen Euro bei Banken und Investmentfonds eingesammelt, um sie weltweit in neue Fabriken zu investieren. Das erklärte Ziel: den Absatz von Grillkohle zu verfünffachen. Das Marketing mit der angeblichen Nachhaltigkeit dient dazu, den Bedarf an einem Spaßprodukt wie Grillkohle hoch zu halten.

Unser Fazit: Die Grillkohlefabrik ist kein Leuchtturm- sondern ein Schornstein-Projekt, mit dem auch die Klimaziele 2050 verbrannt werden!

6. Belastung in 150 Kilometer-Umkreis

Sie sagen: “Rund 20.000 Festmeter könnte das Holzkontor aus den Wäldern der Rheingau- Taunus-Kommunen liefern, den restlichen Bedarf würde der Betrieb aus einem Umkreis von 100-150 km decken” (1) . Das würde Holztransporte aus Hunsrück, Westerwald und Eifel, Spessart und Odenwald bedeuten. Und zu jeder LKW-Ankunft käme die Abfahrt eines leeren LKW hinzu. Nicht zu vergessen die notwendigen LKW zum Abtransport der Grillkohle und aller weiteren Bedarfe einer Fabrik. Die Folgen betreffen viele Menschen: Jeden Tag noch längere Staus in alle Richtungen, noch mehr Verkehrslärm und Abgase in den Dörfern. Und wer bezahlt die Schäden und die Straßenertüchtigungen bis hin zu neuen Umgehungsstraßen?

Es wird derzeit mit 30 bis 48 LKW-Fahrten am Tag gerechnet, die überwiegend über die gut ausgebaute B 260 anfahren würden.

Das in das Verhältnis gesetzt zu den Ergebnissen der aktuellen Verkehrszählung Hessen, wonach an der Zählstelle Kemel am Tag 613 LKW zu registrieren sind (Hessen Mobil, Verkehrsmengenkarte RTK) lässt keine besondere, zusätzliche Belastung erkennen.

Eine Veränderung der Verkehrsinfrastruktur wird dadurch, mit Ausnahme des Einfahrtsbereiches, keinesfalls induziert.

Näheres regelt im Fall der konkreten Planung natürlich ein Verkehrsgutachten.

7. Arbeitsplätze

Aus Laubholz mit 15-30 cm Durchmesser kann entweder Kaminholz werden oder Grillkohle. Kommt Carbonex, müssten die Brennholzfirmen der Region ihre Betriebe aufgeben oder für die Fabrik arbeiten. So würden keine zusätzlichen Arbeitsplätze entstehen. Außerdem wird im Carbonex-Werbevideo (5) eine vollautomatische Industrieanlage gezeigt. Sie haben jedoch “etwa 90 Arbeitsplätze” angekündigt (1). Bitte erläutern Sie, in welchen Arbeitsbereichen von Carbonex sozialversicherungspflichtige Jobs für Heidenroder BürgerInnen entstehen sollen.

Im Werk Gyè sur Seine der Firma Carbonex sind derzeit 80 Personen beschäftigt (Gabelstaplerfahrer, Verpacker, Systemsteuerer, Anlagenbetreuer, Verwaltung, …), dies wird hier nicht anders sein.

Nicht in der erwarteten, oben genannten Zahl an Arbeitsplätzen eingerechnet sind die in der Forstwirtschaft und in den Speditionen, sowie der notwendigen Handwerksbereiche, die in einem solchen Werk benötigt werden, hier wurde nur eine sehr vorsichtige Schätzung aufgeschlagen.

Mit Brennholzfirmen meinen Sie sicherlich die Bereitsteller von gespaltenen Brenn-Schichtholz für den häuslichen Bedarf. Diese stehen derzeit in direkter Konkurrenz zu anderen Industrieholzabnehmern (Papier, Holzfaser, …). Insofern ergibt sich keine neue Situation, dieses Klientel würde weiterhin, wie bisher, von den Waldeigentümern als regionale Unternehmungen, sofern sie denn eine sind, bedient.

Der Privatbedarf der Bevölkerung ist ebenfalls nicht betroffen, da von Sonderregelungen getragen.

8. Finanzen

Schon aufgrund der Investitionen würde von der französischen Firma auf längere Sicht keine Gewerbesteuer nach Heidenrod fließen. Die Gemeinde hat zudem angekündigt, das Grundstück an Carbonex zu verkaufen (3). Damit verringern sich die Einflussmöglichkeiten. Aber wer weiß heute, ob es eine Investitionsruine wird, ob teure Altlasten bleiben oder das Gelände zu anderweitiger Nutzung weiterverkauft wird. Wie wollen Sie diese nachteiligen Szenarien verhindern?

Dadurch, dass das eventuelle Betriebsgelände von der Gemeinde verkauft würde, würde wie oft praktiziert, eine Rückfallklausel vertraglich vereinbart und grundbuchlich gesichert. Die dann evt. anfallenden Rückbaukosten würden über eine Bürgschaft, analog der Windkraftanlagen an der B 260, hinterlegt/abgesichert.

Darüber hinaus wird Carbonex als vor Ort ansässiges Unternehmen wie alle anderen lokal Steuern zahlen, die in den Haushalt der Gemeinde fließen.

9. Lärm

Auf dem Gelände von Carbonex in Frankreich spricht der Präfekt gegen den Lärm an (6): Holz wird per LKW angeliefert, abgeladen und zerkleinert, die Holzhäcksel werden in große Behältern umgeladen, Abgase treiben Stromturbinen an. Welche Geräuschkulisse ist zu welchen Tageszeiten bei all diesen Arbeiten zu erwarten?

Wir haben in Deutschland glücklicherweise ein engmaschiges Netz an einzuhaltenden Schutzvorschriften.

Ihre Frage beantwortet die TA-Lärm. Nach dieser Vorgabe dürfen an allgemeinen Wohngebieten (wie Huppert), max. 55 Dezibel minus eines Abschlags von 6 Dezibel an Lärm von einer Gewerbe-/Industrieanlage ankommen.

Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens hat der Anlagenbetreiber dies nachzuweisen.

10. Abfälle und Störungen

Bei der Fabrikation von Holzkohle entstehen chemischen Abfälle wie z.B. Teer und Essigsäure. Wo und wie werden diese gelagert? Wie giftig sind sie, wenn es – wie bei Carbonex in Frankreich – zu einem Brand kommt? Sollen Heidenroder Wehren die Sicherung übernehmen?

Antwort Bürgermeister Diefenbach: Bei der herkömmlichen Verbrennung oder Zersetzung von Holz werden Methan und andere Treibhausgase freigesetzt, die die Atmosphäre verschmutzen. Das Verfahren der Fa. Carbonex emittiert kein Teermethan. Es entstehen keine gefährlichen Nebenprodukte wie Teer oder Essigsäure, da sie im Prozess selbst behandelt werden.
 Die Reaktion geschieht weitestgehend unter Ausschluss von Luft. Es werden heiße Gase über das Holz geleitet und dadurch eine Pyrolyse in Gang gesetzt bei der Nebenprodukte entstehen, die allesamt thermisch verwertet werden. Teer und Essigsäure fällt dabei nicht als Abfall an.

Ob die Heidenroder Wehren den Brandschutz allein sichern oder eine Werksfeuerwehr installiert werden muss, wird im Verfahren durch ein obligatorisches Brandschutzgutachten geklärt.

11. Lebensqualität

Der Ortsbeirat Huppert befürchtet negative Auswirkungen auf den Wert der Immobilien, auf Naherholung und Tourismus (7). Wie passt dies zu Kapitel 3 des Leitbilds der Gemeinde: “Wir sind stolz auf unsere Heimat, bewahren und behüten unsere Natur – unseren Schatz”?

Antwort Bürgermeister Diefenbach: Es sind keine negativen Auswirkungen zu erwarten. Von Huppert aus ist die Anlage nicht zu sehen, es dürfen max. 50 Dezibel Lärm (Vogelgezwitscher) ankommen, durch die Abgasreinigung ist, wie in Kemel auch, sichergestellt, dass nur Wasserdampf und CO² entweicht.

Die touristische Infrastruktur in diesem Bereich beschränkt sich auf einen Wanderweg, der ansprechend um gestaltbar ist. Insofern sind die Befürchtungen unbegründet.

Wer langfristig die Natur schützen und bewahren will, muss die Gesamtzusammenhänge beachten. Wer nicht beherzt am Klimaschutz arbeitet, riskiert durch Klimaerwärmung das Ökosystem Wald als Ganzes, wer dauerhaft eine zielgerichtete Waldpflege organisieren will, um stabile, naturnahe Wälder zu erreichen, braucht Holzabsatz in den richtigen Sortimenten.

Unser Leitbild ist ebenfalls als Ganzes zu betrachten, es sind da weiter Kapitel und Aspekte aufgeführt, die gegeneinander abzuwägen sind – unsere Natur bleibt unser Schatz.

12. Zeitplan und Verfahren

Laut WK-Bericht vom 15. April 2020 (S.11) ist das Projekt seit Spätsommer bekannt, auch die Fraktionsvorsitzenden wurden bereits frühzeitig einbezogen. Der Ortsbeirat Huppert wurde im Januar eingeweiht. Nur die BürgerInnen haben nichts erfahren. Wurde die gewählten Vertreter zu Stillschweigen verpflichtet?

Abschließend möchten wir anregen, ab sofort bei diesem Vorhaben besonders transparent vorzugehen. Dies ist kein Thema für Notparlamente, sondern für eine breite Diskussion, bei der die Fakten auf den Tisch kommen. Wir gehen davon aus, dass Sie nun eine echte Bürgerbeteiligung unterstützen und nicht nur Informationen im Nachhinein bekanntgeben.

Antwort Bürgermeister Diefenbach: Die Anfrage der Wirtschaftsförderungsgesellschaften des Landes und der Region erreichte uns am 15.10.2019. Eine Bewerbung um solche Anfragen, kann noch nicht zu Informationen von Gremien und Öffentlichkeit führen, da die Fehlversuchsquote Nahe bei 100 % liegt. Die Bewerbungsphase führte zu einer Auswahl Heidenrods in der verwaltungsfreien Zeit am Ende des Jahres.

Sogleich wurden am 06./08.01.2020 die Gremien und der Ortsbeirat Huppert vollumfänglich informiert, mit der Bitte, um Einschätzung, ob das Projekt weiterverfolgt werden soll. Wer da wen zu was verpflichten sollte ist mir unklar, wäre sehr unüblich und ist im vorliegenden Fall nicht zu bestätigen.

Eine Bürgerbeteiligung war vorgesehen für den Fall, dass der Vorhabenträger sich endgültig und definitiv für Heidenrod und ein Verfahren entscheidet. Die Öffentlichkeit ist nun ebenfalls intensiv informiert.

Selbstverständlich findet eine Bürgerbeteiligung und ein geordnetes demokratisches und behördliches Verfahren statt. Ich sichere, wie in dem TIP-Bericht vom 16.04.2020 schon dargestellt, jede Transparenz zu.

Derzeit befinden wir uns in einer Phase der Standortvorbereitung, wobei die Wahl von Heidenrod seitens Carbonex noch nicht endgültig getroffen ist. Wir sind im Gespräch mit den Behörden, um ein eventuelles Genehmigungsverfahren eines solchen Projekts in diesem Gebiet zu erörtern.

Lageplan Grillkohle-Fabrik Carbonex

Bürgermeister Diefenbach hat diesen Lageplan für die Ansiedlung der Grillkohle-Fabrik Carbonex mitgeschickt.

Lageplan Grillkohle-Fabrik Carbonex nach Angabe von Bürgermeister Diefenbach

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