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Wahlempfehlung von Robin Wood u.a. zum Bürgerentscheid in Heidenrod

Veröffentlicht am 26.10.2020

Vertreter*innen aus Umweltschutz und Wissenschaft, darunter ROBIN WOOD, Biofuelwatch, Peter und Tobias Wohlleben sowie Prof. Dr. Pierre Ibisch richteten sich in einem offenen Brief an den Bürgermeister Volker Diefenbach und die Bürger*innen des Ortes Heidenrod. Dort wird am 1. November 2020 ein Bürgerentscheid durchgeführt, der über den Bau der Holzkohlefabrik Carbonex entscheidet.

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Diefenbach, sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger der Stadt Heidenrod,

die Pläne der Firma Carbonex, den Wald in Heidenrode und Umgebung als Rohstoffieferant für eine Grillkohlefabrik zu nutzen, halten wir aus ökologischer Perspektive für bedenklich. Das Unternehmen erklärte in einer Antwort auf eine Anfrage von Bürger*innen in Heidenrod, dass es plane, 180.000 Kubikmeter “Hartholz”, hauptsächlich Buche, zu verwenden.

Wir empfehlen, beim Bürgerentscheid, gegen den Bau dieser Anlage zu stimmen.

Wälder im Trockenstress

Die Folgen der vergangenen drei trockenen Sommer für die Wälder in Deutschland sind unübersehbar. Insbesondere deshalb ist es jetzt von großer Bedeutung, diese wichtigen Ökosysteme zu erhalten.

Neben der Trockenheit hat jedoch auch die Bewirtschaftung der Wälder einen maßgeblichen Anteil an dem aktuellen Zustand. Das Öffnen der Kronendächer durch Baumfällungen zur Holznutzung führt zu einer größeren Sonneneinstrahlung auf den Waldboden und somit zu einer verstärkten Erwärmung, Austrocknung und Verschlechterung des Mikroklimas im Wald und somit einer zusätzlichen Schwächung des Ökosystems gegenüber klimatischen Veränderungen (Zellweger et al. 2020) (Ibisch und Blumröder 2018).

Negativer Einfluss auf das Klima

Intakte Laubwälder spielen im Klimaschutz eine wichtige Rolle als Kohlenstoffsenke. Diese Funktion sollte im Hinblick auf den Klimawandel gestärkt werden. Das Verbrennen von Holz hingegen führt in den kommenden Jahrzehnten zu einem CO2-Anstieg in der Atmosphäre und schwächt die Kohlentoff-Senkenfunktion der Wälder. Zudem entsteht aufgrund des geringeren Energiegehalts bei dem Verbrennen von Holz um den Faktor 1,5 mehr C02 als beim Verbrennen von Steinkohle (Searchinger et al. 2018).

Wälder benötigen mindestens mehrere Jahrzehnte bis ein Jahrhundert („payback-Zeit“), um den durch die Verbrennung freigesetzten Kohlenstoff wieder zu binden. Aus diesem Grund warnen bereits Hunderte von Wissenschaftler*innen und der Beirat der Europäischen Akademien der Wissenschaften davor, die Nutzung der Waldbiomasse als kohlenstofffrei oder kohlenstoffarm zu bewerten.

Eine industrielle Anlage mit einem Holzverbrauch, wie sie hier geplant ist, trägt zu einer weiteren Schwächung der Wälder und zu einer Verschärfung des Klimawandels bei und ist nach aktuellem Wissensstand nicht zu empfehlen.

Mit freundlichen Grüßen

  • Jana Ballenthien, Waldreferentin ROBIN WOOD
  • Almuth Ernsting, Biofuelwatch (England)
  • Prof. Dr. Pierre Ibisch, Professor am Centre for Econics and Ecosystem Management am Fachbereich für Wald und Umwelt, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
  • Peter und Tobias Wohlleben, Wohllebens Waldakademie
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